Zusammen oder getrennt?


"Pobyt w Niemczech na poczatku zapowiadal sie nie za ciekawie. Lecz zbiegiem czasu nasza integracja zaczela nabierac tepa. Niemcy jako kraj jest bardzo interesujacy, a ludzie sa bardzo mili, kulturalni i zyczliwi. Jestesmy bardzo zadowolone z mozliwosci brania udzialu w projekcie i z niecierpliwoscia czekamy na nastepne spotkania." / "Zu Beginn des Aufenthalts in Deutschland waren wir enttäuscht. Aber im Laufe der Zeit erlebte die Integration einen Schwung. Deutschland als Land ist ganz interessant und die Leute sind nett, kulturvoll und wohlwollend. Wir sind sehr zufrieden, dass wir am Projekt teilnehmen konnten und ungeduldig warten wir auf die nächste Begegnung." (Projektschülerinnen Marta Regulska und Anna Pisarska)



Jedes Projekt lebt davon, von den Teilnehmern im kritischen Geiste mitgetragen zu werden. Jedes Projekt profitiert dabei von Ideen, Anregungen und interessanten Ansätzen der Aktiven. Nicht anders war es bei der Projektbegegnung der Schülerinnen und Schüler der ZSP nr 1 Jarocin und des Beruflichen Gymnasiums der Kinzig – Schule Schlüchtern, die Ende Oktober 2010 zum vierten Mal in Schlüchtern stattgefunden hat. Der Schüleraustausch wurde gleich von mehreren Institutionen und Vereinen gefördert, so von der Stadt Schlüchtern, dem Deutsch – Polnischen Jugendwerk und dem Förderkreis der Kinzig – Schule.



Die im Titel des Berichts formulierte Fragestellung stammt von den Projektschülern (bzw. einer der Projektgruppen) selbst, die in Form von Selbsterfahrung dazu gelangten und sie zum Motto für ihre Projektpräsentation zum Abschluss der Begegnungswoche bestimmten. Im Mittelpunkt der Projektarbeit – neben den Projektschwerpunkten "Film" und "Gastronomie" – stand ein Fotoprojekt (welches Projektschüler Hagen Rösch im Evaluationsgespräch als "ausgefallen" bezeichnete), das die Schüler dazu ermutigen sollte, Gedanken über beide Länder und Nationen verbindende und trennende Sachverhalte, Phänomene zu machen und dies fotografisch zu dokumentieren.




Das Bild der Schüler über das "Deutschland des Jahres 2010" resp. "typisch deutsch" variierte stark, die vielfältigen entstandenen Projektarbeiten zeugten von unterschiedlicher und differenzierter Wahrnehmung deutscher und polnischer Schüler. Projektschüler Kurt Dunkel hierzu: "Das Interessanteste daran war, Deutschland und seine Kultur mal "von außerhalb" betrachten zu können. Es war zum Teil sehr überraschend, was die Polen als "typisch deutsch" angesehen haben und vor allem, was sie damit verbunden haben. Zum Beispiel wurden Vorurteile aufgezeigt, die ich nicht kannte, aber auch die allem Anschein nach doch sehr große Vorbildfunktion Deutschlands angesprochen. Mir persönlich hat diese Erfahrung am meisten gebracht."





















So verbanden einige mit "typisch deutsch" die Ordnungsliebe der Deutschen, die für Polen unbekannte Phänomene hervorbringen würde: So unter anderem die uns wohlbekannten kleinen Tüten, die helfen sollen, die Hinterlassenschaften von Vierbeinern zu entsorgen. Einen kleinen Differenzierungsbedarf erfuhr dieser Punkt durch die Aufmerksamkeit anderer polnischer Schüler, die auf eine unaufgeräumte Stelle in der Erfurter Innenstadt hingewiesen haben. Genauso stießen die Nutzung alternativer Energiequellen und der liberal - konstruktive Umgang der Deutschen mit Regeln und Normen auf Beachtung bei den polnischen Gastschülern.



Die deutschen Projektschüler hingegen erkannten – auf Grundlage ihrer Erfahrungen bei der letzten Begegnung in Jarocin – u. a. die Bedeutungsunter-schiede des Nationalen bzw. des Historischen, was in Polen einen ganz anderen Stellenwert genießt als in Deutschland. Genauso fielen den Projektteilnehmern kulturelle und Mentalitätsunterschiede auf: Nicht zuletzt führten die Projektschüler diese auf andere Rahmenbedingungen in den jeweiligen Ländern zurück. So gehöre, wie die Projektteilnehmer treffend erkannten, das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft genauso zu Deutschland der Gegenwart wie Birkenstockschuhe, gewachsene Bierkultur und Parkordnung.



Eine andere Art von Begegnung bot die Analyse von Filmen von deutschen und in Deutschland lebenden polnischen bzw. polendeutschen Regisseuren, die (in den Genres "Spielfilm", "Dokumentarfilm" und "Komödie") ihren ganz individuellen Zugang zur deutsch – polnischen Koexistenz suchten bzw. fanden. Als ein besonders gelungenes Beispiel, gerade durch die Überzeichnung vermeintlicher Stereotypen, empfanden die Teilnehmer -in der anschließenden Diskussion- den Film "Polska Love Serenade" der jungen Regisseurin Monika Anna Wojtyllo.















Begegnungen setzen die Bereitschaft voraus, mobil zu sein. So führten die Projektteilnehmer an zwei Tagen Exkursionen durch. Eine von BG – Schülern organisierte und betreute Fahrt führte nach Thüringen. Hier stellten die beruflichen Gymnasiasten Matthias Marx und Carsten Schumacher den Projektteilnehmern Geschichte und Gegenwart wie das kulturelle Erbe von Gotha und Erfurt vor.
























Die zweite Exkursion führte unter Beteiligung des deutsch – polnischen Projektleitungsteams (mgr Grzegorz Gorzelanczyk, mgr Roman Nowicki und mgr Janusz Zwierzycki polnischerseits, die Lehrkräfte Margarete Kolenda und Björn Keilwerth sowie Studienrat Richard Guth deutscherseits) nach Darmstadt, zum vor 30 Jahren, inmitten des Kalten Krieges, gegründeten Deutschen Polen – Institut (DPI).

Das Institut verstehe sich, so Dr. Andrzej Kaluza, der an der Einrichtung die Abteilung "Öffentlichkeitsarbeit" leitet, zum einen als Vermittler der polnischen Kultur (insbesondere Literatur) in Deutschland als auch als wissenschaftliche Wirkungsstätte, die jedes Jahr etwa 30 Praktikanten (zur Hälfte aus Polen, zur Hälfte aus Deutschland) aufnehme. Es sei eine ganz andere Zeit gewesen, so Kaluza, als 1980 das DPI gegründet wurde, gerade zehn Jahre nach den Brandt´schen Ostverträgen, die eine (Wieder-) Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der BRD (die sich als alleinige Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches verstand) und der Volksrepublik Polen bedeuteten.














Die mühsame Arbeit der letzten dreißig Jahre hätte Früchte getragen, so der Wissenschaftler: Heute bestünden zahlreiche Schulpartnerschaften zwischen Schulen beider Länder, an drei hessischen Gymnasien würde in Form eines Pilotprojekts Polnisch als Fremdsprache angeboten. Im Gespräch mit den Teilnehmern bewertete Andrzej Kaluza auch aus einer ganz persönlichen Sicht und in Bezugnahme auf die Jugend von damals und heute die Entwicklung der letzten dreißig Jahre.



Seine Ausführungen bezogen sich auch auf die deutschen - polnischen Beziehungen, die der Wissenschaftler als ein Prozess steter Liberalisierung charakterisierte. Dies hätte die Jugend verändert, aber auch -global betrachtet- näher gebracht. Heute lebten in Polen, bei allen Unterschieden u. a. zwischen Stadt und Land, international denkende und fühlende Menschen, gerade Jugendliche wären offen, um neue Kontakte zu knüpfen. Dies zu unterstützen, sei eine zentrale Aufgabe des Instituts im Olbricht – Haus auf der Darmstädter Mathildenhöhe.



Dass die vom Institut geförderte interkulturelle Verständigung und ein Zusammenleben trotz geografischer Entfernung und Sprachbarrieren funktionieren können, bewiesen auch die Rückmeldungen der Projektschülerinnen und –schüler: "Razem czy osobno? Takie pytanie nasunelo nam sie na poczatku projektu realizowanego przez szkoly w Jarocinie i Schlüchtern. Mimo barier jezykowych i mentalnych okazalo sie, ze potrafmy znalezc wspólny jezyk i wspaniale spedzac ze soba czas. Wyjazd po raz kolejny udowodnil, ze jest szansa na porozumienie miedzy naszym tak obleglem a jednoczesnie bliskim pokoleniem a pokoleniem mlodych Niemców".













"Zusammen oder getrennt? Diese Frage stellten wir uns am Anfang des von Jarocin und Schlüchtern durchgeführten Projekts. Trotz der sprachlichen und mentalen Hemmungen stellte sich heraus, dass wir Gemeinsamkeiten finden und zusammen herrlich Zeit verbringen können. Der Aufenthalt in Deutschland bewies, dass es die Möglichkeit besteht, eine Verständigung zwischen unserer Generation und der Generation der jungen Deutschen zu erzielen", äußerte sich am Ende der gemeinsamen Projektwoche die polnische Projektschülerin Zuzanna Borowczyk.




Übersetzung der polnischsprachigen Schülerrückmeldungen:
Grzegorz Gorzelanczyk / Fotos : Richard Guth, letzte zwei Fotomontagen: dt. - poln. Projektgruppe

Richard Guth, StR
deutscher Projektleiter
Schulpartnerschaftsprojekt Polen