Neues Löhertor – muss das sein?!

Fulda diskutiert über Großprojekt






Von Sina Meisel

Es soll 2013 seine Pforten öffnen, die Diskussion über das Konzept des neuen Löhertors wird aber derzeit geführt. Die Händler der Innenstadt befürchten, dass das geplante Einkaufszentrum Kaufkraft von der Innenstadt abziehen könnte, da es gefragte Anbieter wie H&M, Zara oder Mango nach Fulda bringen soll. Andere sind optimistischer und glauben, dass das neue Löhertor ein Einkaufsmagnet wird, der zusätzlich Kunden nach Fulda lockt und alle Profit daraus ziehen.

Viele Händler der Innenstadt haben seit dem Beschluss, dass das alte Löhertor abgerissen werden darf und ein komplett neues Shoppingcenter erbaut wird, mit Zukunftsängsten zu kämpfen. Viele Händler rechnen damit, dass nach der Eröffnung des neuen Löhertors die Kunden das Interesse verlieren könnten in die Stadt zu laufen und somit weniger Kunden die Geschäfte aufsuchen oder diese sogar ganz ausbleiben könnten. Deshalb ärgern Sie sich über Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) und dessen Zustimmung für den Abriss des alten Löhertors. Viele von ihnen haben gehofft, dass sich die Verhandlungen über Umbau und Abriss noch einige Zeit in die Länge ziehen würden. Sollte nach dem Bau das neue Shoppingcenter ein voller Erfolg werden, wären viele der Läden in der Fuldaer Innenstadt abgeschrieben, so die Befürchtungen vieler Gewerbetreibender. Einzelne Händler äußern sich zum Bau des neuen Löhertors jedoch gelassen. So auch die Besitzerin des Modegeschäftes "Indigo" in der Fuldaer Innenstadt: "Ich sehe positiv in die Zukunft und vertraue auch auf unsere vielen Stammkunden, die regelmäßig vorbeischauen." Jedoch können nicht alle Händler so denken, denn gerade die kleineren Läden wie zum Beispiel Ernstings Family, Quick Schuh und Nanu-Nana sind auf Laufkundschaft angewiesen. Andrea M. (45), Verkäuferin in "Quick Schuh" in der Fuldaer Innenstadt, hat Angst vor der Veränderung: "Ich befürchte, dass es im neuen Einkaufszentrum genug Schuhläden geben wird, wo die Kunden einkaufen können. Sie werden den Laden, in dem ich arbeite, nicht mehr aufsuchen und ich muss mir Gedanken über meine berufliche Zukunft machen." Ob die vielen Besucher nach einer Shoppingtour im neuen Einkaufscenter noch Lust haben, komplett durch die Stadt zu bummeln, ist in der Tat fraglich.

Die Greve-Gruppe und der Projektentwickler MFI betrachten den Umbau des neuen Löhertors zu einem Shoppingcenter als Ergänzung für die Fuldaer Innenstadt. Das neue Löhertor soll einiges an Kaufkraft in den Großraum Fulda herbeiziehen. Es sollen künftig 12.000 bis 20.000 Besucher pro Tag zu erwarten sein, die durch geplante Shuttle-Busse auf einfachstem Weg die Innenstadt erreichen können. Nach einer Umfrage unter Passanten in der Fuldaer Innenstadt zum Thema "Umbau und Abriss des Löhertors" wurde jedoch deutlich, dass sich sehr viele der Befragten positiv über den Umbau des Löhertors äußerten. Weniger Gedanken schienen sie sich über die kleinen Läden in der Innenstadt gemacht zu haben. So auch die Schülerin Linda H. (17) aus Petersberg: "Ich verstehe, dass die bisherigen Kaufhäuser Angst haben ihre Kunden zu verlieren, jedoch muss in Fulda etwas passieren. Dazu gehören attraktive Einkaufsmöglichkeiten für mich und meine Freunde." Ebenso erfreut ist der 42-jährige Familienvater Peter K. aus Eichenzell, da er in naher Zukunft zum Shoppen mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern keine weite Reise mehr nach Frankfurt zurücklegen müsse, sondern bequem in Fulda einkaufen gehen könne: " Man spart viel Zeit und Geld, durch den Bau des neuen Shoppingcenters." Eine weitere Fuldaer Bürgerin (53) war der Meinung: "Jedes Mal, wenn Veränderung und Neues in die Stadt kommen sollen, werden die guten alten Stimmen laut, die genau diese Neuerungen am Ende auch verhindern."

Interessant war zu beobachten, dass nicht einmal die Fuldaer selber ihrer Stadt treu bleiben, sondern ebenfalls lieber in Städten wie Kassel oder Frankfurt einkaufen gehen. Trotzdem gab es in der Fuldaer Innenstadt nicht nur positive Meinungen zum Umbau und Abriss des Löhertors, sondern auch Passanten, die traurig über den Abriss sind. So ein Ehepaar aus Neuhof: "War das schön, als noch Leben im Löhertor war. Im Löhertor-Parkhaus parken, sich dort die Angebote ansehen und dann ab in die Stadt zum Einkaufsbummel bis hoch in die Stadt und wieder zurück. Wer braucht schon überteuerte Läden?"

Ob man nun positiv oder negativ über das neue Löhertor denkt, feststeht, dass am Abend des 17.12.2010 in der Stadtverordnetenversammlung mit den Stimmen von CDU und SPD -die Grünen und CWE votierten dagegen, die FDP stimmte uneinheitlich ab- der Bebauungsplan für das neue Löhertor abgesegnet wurde. Die Investoren Greve und MFI haben nun Planungssicherheit. Der Bebauungsplan legt fest, dass die Investoren Geschäfte auf 18.000 Quadratmetern Verkaufsfläche unterbringen dürfen. Dies sind 4000 Quadratmeter mehr als derzeit. 90 Geschäfte sollen entstehen und neben Textilien, Schuhen und Büchern sollen auch Lebensmittel angeboten werden. Viele der befragten Passanten finden es unsinnig, dass das flächenmäßig größte Geschäft mit etwa 2500 Quadratmetern ein Elektronik-Markt werden soll, da es schon zwei große Elektronik-Märkte in Fulda gibt. Oberbürgermeister Gerhard Möller (CDU) hat in Zusammenarbeit mit der Greve-Gruppe ein Gutachten erstellen lassen um die Auswirkungen zu überprüfen. Somit darf die Verkaufsfläche aller Textilläden im neuen Löhertor zusammen nicht mehr als 10.000 Quadratmeter betragen, um die Geschäfte in der Innenstadt nicht zu schwächen. Wie die Zukunft für die Händler aussehen wird, ist jetzt noch ungewiss. Ob die Kunden ausbleiben oder ob sich das neue Einkaufszentrum für die Innenstadt als Standortsicherer erweist, kann man erst sagen, wenn die Mall im Frühjahr 2013 eröffnet wird.


Bild: © Martin Fiedler / PIXELIO