Seniorengerecht shoppen

Einkaufssituation für ältere Mitbürger in Schlüchtern





Von Mareika Strott

Anfang des Jahres wurden wieder die Stimmen laut, dass ein Supermarkt in der Schlüchtener Innenstadt von Nöten sei. Erneut wurde darüber diskutiert das Lins-Gebäude und die sich im Sandgarten befindliche Wohnhäuser abzureißen, um damit Platz für das Bauprojekt zu schaffen. Damit wolle man nicht nur die in der Innenstadt ansässigen Familienbetriebe fördern, sondern auch besonders für ältere Menschen eine Einkaufserleichterung schaffen, so der Verband für Wirtschaft und Tourismus (WITO) Schlüchtern.

Ob sich ein Lebensmittelmarkt direkt vor der Haustür rentiert, ist fraglich. Unter dem Kaufhaus Langer befand sich schon einmal ein solcher, der zuerst vom Kaufhausbetreiber selbst, dann von der Supermarktkette REWE geführt wurde. Wegen mangelnden Umsatzes wurde dieser aber Mitte der 1990er Jahre geschlossen. Dass das erneute Aufleben eines solch zentral gelegenen Lebensmittelmarktes in Zeiten der zunehmenden Mobilisierung in allen Altersschichten einen höheren Umsatz als in der Vergangenheit erzielen würde, bleibt zweifelhaft, zumal nur wenige hundert Meter entfernt in der Alten Bahnhofsstraße eine tegut - Filiale ansässig ist. Des Weiteren kauft der Großteil der Bevölkerung in den Geschäften im Gewerbegebiet ein und besucht die Innenstadt eher selten um Lebensmittel einzukaufen. Andere Einkaufsmodelle scheinen sich hingegen fest etabliert zu haben.

Besonders für die älteren Bewohner der Innenstadt, die nur schwer in das Gewerbegebiet gelangen können, wurde im Frühjahr der "Mobile Supermarkt" organisiert. Der blaue Transporter bietet nun jeden Mittwoch von 15:30 bis 17:00 Uhr die Möglichkeit Einkäufe zentral zu erledigen. Wert gelegt wird hier auch auf den persönlichen Kontakt mit den Kunden. Anders als in großen Supermärkten wird auch mal ein kurzes Schwätzchen gehalten.

Ebenso verhält es sich mit dem Lebensmittel- und Frischedienst Krehahn. Seit nun 60 Jahren fährt dieser täglich durch Schlüchtern und die umliegenden Ortschaften wie Vollmerz, Herolz und Niederzell. Holger Krehahn ist zwar der Meinung, dass seine Bedeutung als Lebensmittelversorger für ältere Menschen abnehme, da das Alter der Autofahrer und damit Selbstversorger steige, allerdings sei er dennoch ein beliebter Anlaufpunkt um sich über lokale Geschehnisse beim Einkauf auszutauschen. Dieser persönliche Kontakt beim Einkaufen, so betont er, sei besonders wichtig für ältere Menschen, da sie oft weniger Kontakt zu ihrem sozialen Umfeld hätten.

Probleme, wie die Frage, wie man die Einkäufe nun nach Hause bekommt, kommen, anders als beim dienstäglichen Besuch des Wochenmarktes, bei dem lokale Anbieter ihre Erzeugnisse verkaufen, oder beim "Mobilen Supermarkt", nicht auf. Der "Krehahn" hält meist nur wenige Schritte von der Haustür entfernt, notfalls hilft er auch selbst beim Tragen, allerdings seien solche Großeinkäufe eher eine Seltenheit.

Für Großeinkäufe muss man trotzdem in die Stadt bzw. an den Stadtrand. Viele lassen sich dabei von Familienangehörigen chauffieren. Diese helfen ihren Eltern oder Großeltern meist gerne und sehen es als Selbstverständlichkeit mal bei Getränkekisten mit anzupacken, dennoch wollen viele Rentner diese Hilfsbereitschaft nicht überstrapazieren. Die Angst der Familie oder hilfsbereiten Nachbarn zur Last zu fallen scheint durchaus zu bestehen. Um sich selbst nicht als hilfsbedürftig "bloßzustellen" werden oftmals lieber hohe Taxikosten bezahlt, anstatt um Unterstützung zu bitten. Zu Fuß sind die Einkäufe in Schlüchtern nur schwer zu realisieren, da die meisten Lebensmittelgeschäfte sich außerhalb der Wohngebiete befinden.
Wenn man keine Familie in der näheren Umgebung hat und selbst nicht mehr in der Lage ist Einkäufe zu tätigen, so kann man auch eine Einkaufshilfe beschäftigen, die dies wenn nötig mehrmals die Woche übernimmt. Immer populärer wird auch das "Essen auf Rädern", der Menübringdienst des Roten Kreuzes.

Zwar sind ältere Mitbürger in den letzten Jahren durch das längere selbstständige Autofahren um einiges mobiler geworden, dennoch spielen gerade Krehahn, der "Mobile Supermarkt" und auch Einkaufshilfen durch den persönlichen Kontakt beim Einkauf eine immer größere Rollen in der Einkaufssituation der Rentner. Womöglich eine größere, die der Lebensmittelmarkt in der Innenstadt jemals spielen könnte.


Bild: © Rike/ PIXELIO