Rutschpartie auf Schlüchterns Straßen

Schlüchtern und das Dauerthema "Winterdienst"





Von Mareika Strott

(Januar 2011) Alle Jahre wieder verwandeln sich die Straßen unserer Stadt in ein verkehrsteilnehmerfeindliches Areal. Schnee, Eis und Matsch erschweren den geregelten Verkehr und stellen eine Gefahr für alle Beteiligten dar.

Blickte man in den letzten Wochen aus dem Fenster, so sah man die Welt von einem dicken weißen Schneemantel bedeckt. Diese Wetterlage sorgt allerdings nur bei den jüngsten Mitbürgern für Euphorie. Die meisten ließen sich von dem vorweihnachtlichem Schnee nur mäßig begeistern. Denn kaum war er da, ging das Chaos auf den Straßen auch schon los. "Es scheint so, als käme der Schnee für die Räumungsdienste jedes Jahr völlig unerwartet", beklagt sich Christa Röder, die jeden Tag von Hohenzell zum Bahnhof in der Innenstadt fahren muss. Und tatsächlich, zumindest scheint es so, als würden die gewaltigen Schneemassen den von der Stadt beauftragten Räumungsdienst Hassinger überfordern.

Der Kanalreinigungsdienst Hassinger säubert mit seinen insgesamt sieben für Schneeräumen umgerüsteten Fahrzeugen nicht nur den Umkreis von Schlüchtern, sondern wird auch von der Straßenmeisterei Neuhof beauftragt. Laut Geschäftsführer Günther Hassinger unterscheiden sich die Räumungsarbeiten in den beiden Städten oft. So wird in Schlüchtern zum Beispiel Salz und in Neuhof Split gestreut.

Ausschlaggebend sei die Einschätzung der jeweiligen Kommune und nicht die von Günther Hassinger. Dieser ist wie viele Bürger der Meinung, dass das Salzstreuen während der momentanen Wetterverhältnisse nicht sehr sinnvoll sei, da das Salz, wie Hassinger erklärt, die obere Schneeschicht antaue und das Tauwasser sich nachts bei sinkenden Temperaturen in eine Eisschicht verwandle. Durch diese Eisschicht würden die Straßen glatt und gefährlich. Einmischen könnte er sich in diese städtischen Entscheidungen aber nicht.

Zu Verkehrsbehinderungen kommt es nicht nur in der Schlüchterner Innenstadt, dort sind zumindest die Hauptstraßen wie Bahnhofsstraße, Unter den Linden und Obertorstraße einigermaßen passierbar. Viel schlimmer scheint die Situation in den umliegenden Dörfern zu sein. "Bei uns kann es bis mittags dauern, bis die Hauptstraße geräumt ist", gibt Carmen Strott aus Sannerz zu Wort. Sie muss wie viele andere Eltern ihr Kind nach Schlüchtern in die Schule fahren, da für den Bus oft kein Durchkommen ist.

Doch auch für den Privatverkehr sind die Schneemassen ein Problem. Im Berufsverkehr muss man mindestens die doppelte bis dreifache Fahrzeit einkalkulieren, da die Straßen früh morgens noch nicht geräumt sind, so die Erfahrung vieler Bürger. Hat man sein Ziel dann endlich erreicht, beginnt die Suche nach einem Parkplatz. Die Parkplätze in der Schlüchtener Innenstadt werden zum größten Teil nicht von einem der Hassinger´schen Schneeschieber geräumt, sondern von den Arbeitern der Stadt Schlüchtern. Nur wenige Parkplätze seien so geräumt, dass man sie problemlos nutzen könne, ohne später beim Anfahren ein Steckenbleiben zu riskieren, meint Röder. Besonders für sie und die anderen Pendler am Bahnhof sei dies ein Problem. Viele wöllten die Standgebühren dort so lange nicht bezahlen, bis die Parkplätze ausreichend präpariert sind. Denn auf dem vereisten Gelände ist die Gefahr groß, dass man als Fahrer die Kontrolle verliert und in ein anderes Auto rutscht. Solche Unfälle gäbe es laut der Polizeistation in Schlüchtern zu dieser Jahreszeit vermehrt, allerdings handele es sich dabei meist nur um Blechschäden, Personen seien dieses Jahr zum Glück nur wenige zu Schaden gekommen.

Laut eines Stadtarbeiters versuche die Stadt für beste Verhältnisse zu sorgen und täte alles Erdenkliche um einen gefahrlosen Verkehr zu ermöglichen. Man sei jedoch nicht allmächtig und könne den Schnee daher nicht mit einem riesenhaften Föhn wegschmelzen. Auch das Ordnungsamt der Stadt Schlüchtern ist der Meinung, dass das Bestmöglichste getan würde und kaum eine Gefahr bestände, wenn sich die Verkehrsteilnehmer rücksichtsvoll auf den Straßen bewegten. Der Schnee sei, wie alle Wetterlagen, höhere Gewalt und man müsse sich diesen Verhältnissen anpassen, sofern die Bedingungen trotz umfangreicher und gut organisierter Räumungsvorhaben nicht ideal sind. So bleibt den Bürgern kaum eine andere Möglichkeit, als ihr Auto so wenig wie möglich zu bewegen und es den Schülern gleichzutun. Sie freuen sich hin und wieder über schneebedingten Schulausfall, wie in der Heinrich-Hermann Schule, nutzen den Schnee zum Rodeln oder zu Schneeballschlachten und begeisterten sich dafür, dass sie nach zahlreichen schneelosen Jahren weiße Weihnachten genießen konnten.


Bild: © Dieter Schütz/ PIXELIO