Mehr als "nur" Tradition

Weihnachtsmarkt in Salmünster erhält durch Aktivitäten der Jugend neuen Antlitz





Von Frederik Pfudel

Der Weihnachtsmarkt in Salmünster erfreut sich großer Beliebtheit. Seit Jahren strömen die alt eingesessenen Salmünsterer zum Geschehen, doch dieses Jahr sorgt auch die Jugend für viel Begeisterung und verschafft dem als "alt" bezeichneten Weihnachtsmarkt neuen Aufschwung.

Es ist Samstagmorgen, Bad Soden-Salmünster liegt noch tief verschlafen in ihren Betten. Weit hergeholt, denn die Innenstadt im Herzens Salmünsters ist vollauf. Überall laufen Menschen herum und bauen ihre Stände und "Buden" auf. Der Weihnachtsmarkt findet auch dieses Jahr in der Frankfurter Straße statt, die sich in der Gestalt einer Einbahnstraße durch die traditionelle Altstadt schlängelt. Für den Weihnachtsmarkt ist diese natürlich gesperrt worden. Um ca. 11 Uhr eröffnet Bürgermeister Lothar Büttner das Geschehen und entlässt die Salmünsterer in den Weihnachtstrubel.

Zu entdecken gibt es viel. Neben den Ständen mit kulinarischen Köstlichkeiten wie z.B. Bratwürstchen, Kartoffelpuffer bis hin zu Pizza stehen auch Buden mit kleineren weihnachtlichen Geschenken im Vordergrund. So befindet sich zum Beispiel direkt vor dem Optiker ein Stand, der Tombola zum guten Zweck anbietet. Für 50 Cent pro Los kann man hier Geld für einen guten Zweck spenden und dazu mit etwas Glück einen Preis gewinnen. Die Preise reichen von kleineren Süßigkeiten über Vasen, die sich hervorragend als Weihnachtsgeschenk für die Oma anbieten, bis hin zu Tellern und Messern. "Für Abwechslung ist also gesorgt", so der Standbesitzer.

Doch in der traditionellen Altstadt, durch die einst Napoleon zog, finden nicht nur ältere Herrschaften ihr Glück. Auch die Jugend ist mit am Start. Als Beispiel dient der Stand vom "JZ-Salmünster". Dort werden Leckereien wie Glühwein und heißer Apfelwein bis hin zu Waffeln angeboten. Nachdem der Weihnachtsmarkt sich in den letzten Jahren mit dem Ruf einer "Überalterung" herumschlagen musste, könnte ein solcher Stand das Interesse der Jugend wieder wecken. "Wir hoffen durch diesen Stand die Aufmerksamkeit der Jugend auf den Weihnachtsmarkt zu lenken, das JZ ist von Jugendlichen für Jugendliche", so Standbesitzer und JZ-Verantwortlicher Nils L. Zusammen mit Luis P. leitet Nils L. seit mehr als einem Jahr das Jugendzentrum in Bad Soden-Salmünster. In Stellvertretung des KJB (Kinder- und Jugendbeirat) haben die beiden zum Beispiel dafür gesorgt, dass den Jugendlichen ein Raum zur Verfügung gestellt wurde, in dem man sich am Wochenende aufhalten und "abfeiern" kann.

Es stellt sich schnell raus, dass sich der JZ-Stand großer Nachfrage und Beliebtheit bei Jugendlichen, aber auch bei alteingesessenen Salmünsterern, erfreute. Gelobt werden zum einen die "äußerst humanen Preise", aber auch der "richtig gute Geschmack" des Glühweins: "Der beste Glühwein, den ich auf dem Weihnachtsmarkt getrunken habe", berichtet hierzu eine Käuferin euphorisch. Solche Komplimente erfreuen natürlich die Standbesitzer.

Mit ca. -2°C ist es winterlich kalt und nicht gerade perfekt für einen Weihnachtsmarkt. Jedoch kann dieses Wetter die Begeisterung nicht schmälern. Viele Menschen verweilen an diesem Tag längere Zeit und begutachten die verschiedenen Buden. Der Weihnachtsmarkt in Bad Soden-Salmünster ist ein wichtiges Ereignis für die Bevölkerung. Jedoch muss man auch die Perspektive, fernab der "einfachen" Schauweiße, beachten. Wirtschaftlich gesehen bietet der Weihnachtsmarkt eine gute Möglichkeit für die ortsansässigen Geschäfte und Läden, ihren Jahresumsatz im Weihnachtsverkauf aufzubessern. Denn ein großer Teil des Umsatzes der Geschäfte wird eben an diesem Event erzielt. Der Markt bietet außerdem eine Art Werbung für die sonst eher beschaulich wirkende Altstadt. Eine Geschäftsinhaberin in der Altstadt beschreibt die Situation wie folgt: "Seit der Eröffnung des Einkaufsgeländes am "Palmusacker" zieht es die Menschen immer weiter weg von der Altstadt und ihren traditionellen Geschäften". Diese Veranstaltung scheint demnach eine willkommene Gelegenheit zu sein die "schlafende" Altstadt zu beleben.

Um 20 Uhr beginnen dann die Aufräumarbeiten. Die Salmünsterer ziehen entweder zufrieden nach Hause, besuchen eine der Kneipen in der Altstadt oder machen es wie die Helfer am "JZ-Stand". Für diese ist klar, wo der Abend sein Ende finden würde. "Zur Resteverwertung ins JZ", so Jan M., einer der Dienstleistenden des Standes.

Die Zukunft verheißt Positives. Man sieht, dass immer neue Leute ihre Stände eröffnen und somit es jedes Jahr neue Attraktionen geben wird. Jedoch wird auch zur Vorsicht gemahnt: "Es ist vor allem wichtig, dass Menschen von außerhalb wissen, dass Salmünster nicht nur am Palmusacker existiert, sondern auch in der Altstadt eine Menge zu bieten hat", so eine ortsansässige Geschäftsinhaberin.


Bild: © Maret Hosemann / PIXELIO