Lernen. Wachsen. Spielen. Zuhause sein.

Gemeinsam für den richtigen Weg.
PROJEKT PETRA





Von Elena Hubert

Wer kennt das als Jugendlicher nicht: Streit mit den Eltern oder Auseinandersetzungen, in denen man nicht einsieht nachzugeben. Es passiert in allen Familien, besonders wenn Kinder die Zeit der Pubertät erleben. Der kleine Streit hält kurz an, ist jedoch nach ein paar Stunden, vielleicht auch schon Minuten wieder fast vergessen. So geschieht es jedoch nicht in allen Familien, manchmal prägt Streit den Alltag. Anhaltende Konflikte, gerade in der frühen Kindheit, prägen den Menschen. Zudem arten Streitigkeiten in manchen Familien in Gewalt aus. Eltern sind mit sich selbst überfordert und können ihrem Kind einfach keine Zukunft bieten, da sie ihr eigenes Leben nicht unter Kontrolle haben. Diese Probleme können nachhaltig kaum ohne professionelle Hilfe überwunden werden.

Für solche Probleme sollen Einrichtungen wie das "Projekt Petra" den Menschen Hilfe leisten. Der soziale Dienstleister "Projekt Petra", mit Hauptsitz in 36381 Schlüchtern - Ahlersbach, bietet Hilfe für Kinder, Jugendliche und Eltern. Mit Hilfe von PsychologInnen, SozialpädagogInnen, ErzieherInnen und LehrerInnen sollen Probleme professionell gelöst werden. Das zweite wesentliche Standbein des Projektes ist die Forschungsarbeit. Das bedeutet, dass im Auftrag von Bundes- und Landesministerien die Leistungen von Hilfeformen wie Tagesgruppen oder Heimen analysiert werden. So wurde beispielsweise im Jahr 2007 eine Studie für "SOS-Kinderdorf e.V." abgeschlossen, die die Zusammenarbeit zwischen Herkunftsfamilien und Kinderdorf untersuchte.

Die Zentralstelle in Ahlersbach funktioniert nicht nur als Beratungsstelle, sondern auch als Jugendheim "Haus Petra". Derzeit bietet das Heim 22 Plätze für Kinder und Jugendliche ab 6 Jahren bis zum Abschluss ihrer Ausbildung. SozialpädagogInnen, PsychologInnen und ErzieherInnen sorgen für eine professionelle, kindgerechte Erziehung. Im Jugendheim werden junge Menschen aus der Region aufgenommen, die mit komplexen Störungen täglich intensiv betreut und behandelt werden müssen. Im "Haus Petra" haben sie einen regelmäßigen und strukturierten Tagesablauf und werden bis zu ihrer Ausbildung betreut. Danach sollen sie fähig sein ein eigenes Leben zu führen und sich einen eigenen Weg zu suchen.

Der 14-jährige Florian, der mittlerweile schon sieben Jahre im Haus Petra wohnt und die Stadtschule in Schlüchtern besucht, erklärt uns auf die Frage, ob er sich im Heim wohl fühle oder lieber wieder zu seinen Eltern möchte: "Ich habe mich am Anfang sehr unwohl gefühlt. Ich weiß noch, wie es damals bei Mama war, es gab nur Ärger, ich war oft alleine, trotzdem war bei ihr mein Zuhause und nicht hier. Aber ich habe mich daran gewöhnt hier zu leben und merke, dass der geregelte Tagesablauf besser für mich ist. Ich kann meine Mutter ja jetzt regelmäßig sehen, aber ich merke auch, dass uns der Abstand gut tut."

"Petra" bietet ebenfalls professionelle pädagogische Unterstützung in Tagesgruppen. Den Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 14 Jahren mit erheblichen Problemen in der Familie und im sozialen Umfeld wird hier ein strukturelles Programm geboten. Somit wird nicht nur den Kindern geholfen, auch die Eltern werden entlastet und haben tagsüber Zeit an sich selbst zu arbeiten, um ihrem Kind die Hilfe zu geben, die sie brauchen. Freizeitaktivitäten dürfen hierbei nicht zu kurz kommen, denn das ist Bestandteil für vielfältige Interaktionen und soziales Lernen. Natürlich bietet sich die Möglichkeit die Hilfe der Organisation "Petra" nicht nur in Schlüchtern anzunehmen, sondern auch in Regionen um Wächtersbach, Darmstadt, Frankfurt und Fulda.

Eine Lehrerin und zugleich Sozialpädagogin der Zweigstelle Wächtersbach berichtet über die Betreuung der Tagesgruppenteilnehmer so: "Wenn man hier ein Kind von Anfang an jeden Tag begleitet und die Entwicklung beobachtet, ist es wirklich erstaunlich, was allein ein geregelter Tagesablauf bewirken kann. Wir müssen eng mit den Eltern zusammenarbeiten und auch ihnen klar machen, dass sie Regeln und Strukturen auch im häuslichen Bereich nicht vernachlässigen dürfen, sonst ist unsere Arbeit hier umsonst."

Hilfsorganisationen wie das "Projekt Petra" sind heute national verbreitet. Die Nachfrage zu solchen Dienstleistungen steigt immer mehr aufgrund der steigenden Probleme innerhalb der Familien. Man sollte sie wahrnehmen, denn ein kleines Stück Struktur kann Wunder vollbringen.


Bild: © S. Hofschlaeger/ PIXELIO