Las Vegas im Miniaturformat

Die Zahl Jugendlicher, die ihr Taschengeld verspielen, steigt immer weiter





Von Kurt Dunkel

Ob morgens, nachmittags oder nachts, fast immer sind in so genannten Casinos oder Spielhöllen Leute anzutreffen. Früher waren dies meist Einzelgänger oder Fernfahrer, die einfach versuchten die Zeit totzuschlagen oder ihre Gedanken etwas zu zerstreuen. Doch mittlerweile gesellen sich zu diesen nun auch Jugendliche und Schüler, die es aus verschiedenen Gründen dorthin verschlägt.

Die Casinos sind meist recht einfach aufgebaut: Ein EC-Karten- und ein Geldwechsel- Automat gehören schon zur Standardausstattung und natürlich dürfen die Spielautomaten nicht fehlen. Die Anzahl und Spielvarianten sind jedoch ganz unterschiedlich. So kann es vorkommen, dass sich an einer Autobahnraststätte nur zwei bis drei, in großen Spielhöllen hingegen, welche sich meist am Stadtrand ansiedeln, mehrere Dutzend bis hin zu hundert so genannte "Slotmashines" befinden.

Wenn man nun zum Beispiel eine Kleinstadt mit knapp 20000 Einwohnern betrachtet, fällt auf, dass ein zunächst noch kleiner aber steigender Prozentsatz größtenteils männlicher Jugendlicher immer öfter die Gelegenheit nutzt um die aufkeimende Lust am Glücksspiel zu befriedigen.

"Meine Freunde haben mich drauf gebracht", antwortet der 18 - jährige Sebastian M. auf die Frage, wie er denn dazu gekommen ist sich vor den Spielautomaten zu setzen. Weiter erklärt er: " Es ist ja eigentlich auch gar nichts dabei. Wir sind ja schließlich keine Suchtis, die den ganzen Tag eine nach der anderen rauchen und ihre Lebensversicherungen in die Automaten stecken."

Doch die Spielsucht ist bei weitem nicht als harmlos zu betrachten, denn genau wie bei härteren Drogen wie Heroin etc. kann das exzessive Suchtverhalten mit seinen Folgen wie z. B. schwere Depressionen zu einem langsamen, aber sicheren Tode führen. Natürlich kann man die Zahl der spielsüchtigen Jugendlichen noch kaum mit denen anderer Süchte vergleichen, denn so populär wie Nikotin und Alkohol ist der Wunsch nach dem großen Jackpot "noch" nicht. Allerdings zeigen Statistiken des KMDD, eine der bekanntesten Suchtberatungsorganisationen Deutschlands, dass sich vor allem Schüler, durch den Nervenkitzel des Zockens, immer häufiger in den Bann der Glücksspiele ziehen lassen.

Aus dem Wunsch nach Ablenkung und Zeitvertreib wird leider eben doch manchmal ein unkontrolliertes Suchtverhalten und so kommt es auch dazu, dass Schüler der Oberstufe nach und nach ihre Mittagspausen dem widmen, was sie in Windeseile in den Ruin stürzen kann. In einigen besonders schlimmen Fällen wird sogar berichtet, dass sie mehrere Schulstunden und Tage versäumten, weil sie nicht mehr vom Sog des Spiels loskommen würden.

Eine Reaktion seitens der Regierung und Beratungsstellen ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Die Ausweiskontrollen in den Spielhallen wurden drastisch verschärft, aber aufgrund der Gesetzeslage ist es volljährigen Personen weiterhin erlaubt die Spielhallen zu betreten.
"Lediglich karikative Einrichtungen verzeichnen bisweilen leichte Fortschritte in Bezug auf die Prävention und die Behandlung der Sucht", sagt ein Sprecher des KMDD. So sei die Zahl der Kranken zwar gestiegen, aber auch die der Betroffenen, die Hilfe annähmen und sich anstrengten von ihrem Leid loszukommen.

Da die Freiheit des Individuums jedoch nahezu unantastbar ist, lassen sich auch gutgemeinte Einschränkungen seitens des Gesetzgebers nicht leicht durchsetzen. Leider gehen gerade an diesem Punkt die Meinungen weit auseinander. Die Regierung versuchte das Glücksspiel zu verstaatlichen um die Bürger besser vor unseriösen und teuren Privatanbietern zu schützen. Doch lässt sich hier der Vorwurf einiger Kritiker, dies sei nur eine "Masche" um die Staatskasse auf Kosten Suchtgefährdeter bzw. Kranker nicht unerheblich aufzubessern, nicht so leicht von der Hand weisen. Nach Meinung des Suchtexperten Jürgen Trümper, Geschäftsführer des deutschen Arbeitskreises gegen Spielsucht, spiele der Staat ein "nettes kleines Spiel".

" Wenn es so weitergeht, werden wir nie einen Durchbruch erzielen! Regierung und Behörden machen sich aus dem Problem Spielsucht sogar noch einen Reibach." Auch die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofes in Luxemburg vom 08.09.2010, welche die Rechtslage in Deutschland an die EU – Norm angleiche, sei alles andere als hilfreich gewesen, denn diese schränke lediglich Sportwetten und Lotterien ein und diene dem Staat somit nur als weitere Einnahmequelle.

Allerdings treten aber auch noch ganz andere Gefahren auf den Plan: Im Internet ist es nämlich schon seit geraumer Zeit möglich sein Geld in digitaler Form zu verlieren und die wachsende Zahl der Spieler hier ist erschreckend hoch. Man kann also davon ausgehen, dass dies ähnliche Ausmaße annehmen wird wie z.B. die Sucht nach Onlinecomputerspielen, welche, vor allem bei Jugendlichen, ein ernstzunehmendes Problem darstellt. Dies belegte auch eine jüngst veröffentlichte Studie der Humboldt – Universität in Berlin, nach der ca. 8% der Jugendlichen unter 18 Jahren als computer- oder internetsüchtig gelten.

Es bleibt also zu hoffen, dass möglichst bald neue Wege zur Spielsuchtbekämpfung und deren Prävention beschritten werden, denn sonst besteht die Gefahr, dass immer mehr Jugendliche wie Sebastian M. anstatt in der Schule zu pauken, ihr Leben in realen oder virtuellen Casinos verspielen.


Bild: © Alexander Hauk / PIXELIO