Für einen Moment zum Innehalten

Der Frankfurter Straßenkünstler Sandro über Berufsethos und Muße





Von Luisa Jöckel

"Nur noch wenige Feinheiten fehlen, dann ist das Gemälde fertig", sagt Sandro Marantini mit kreideverschmierten Händen. Zu sehen ist das Jesuskind neben Maria und Josef im Stall zu Bethlehem. Das mehrere Meter große Kreidebild auf den Fliesen der B-Ebene der Hauptwache ist nun fast vollständig. Der strahlend blaue Himmel und das saftige Grün der Wiese hebt sich von dem Grau der B-Ebene stark ab.

Links daneben hat der Straßenkünstler aus Rom ein weiteres Gemälde auf den Boden gemalt. Mit dem Malen will er die hohen Werte "Liebe" und "Innehalten" an andere weitergeben. Er wolle mit seinen Bildern zum kurzen Stopp verleiten, sagt er und nickt den Scharen von Passanten und Einkäufern zu, die die Zwischenebene durcheilen, raus aus der U-Bahn, rein in den Weihnachtstrubel von Kaufhof oder per Rolltreppe nach oben zu den Geschäften auf der Zeil.

Er selbst ist kein Christ. Er hat seine christlichen Andachtsbilder eben passend zur Weihnachtszeit auf den Boden gemalt. "Die Leute sind empfänglich dafür, und wenn ihnen die Bilder gefallen, freue ich mich." Und natürlich freut er sich auch, wenn die zufälligen Bildbetrachter anerkennend ein paar Münzen in die offene Schatulle werfen, die er neben Jesus auf den Boden gemalt hat.

"Es ist meine Arbeit", sagt Marantini. Sonst schmückt er die B-Ebene mit fiktionalen, dreidimensionalen Bildern von Außerirdischen. Das Malen hat er sich selbst beigebracht. Er erzählt, dass er schon als Kind gerne gemalt hätte, daheim in Rom, und dass er die Liebe dazu dann später in Frankfurt, als junger Mann, weiterentwickelt hätte.

Seit 25 Jahren lebt er nun hier in Frankfurt und hat sich ganz dem Malen verschrieben. "Ich habe alles Mögliche probiert, Kunst mit Spraydosen, Fresken." Jetzt malt er seine Kunst mit Pastellfarbe in den öffentlichen Raum. "Reich wird man davon nicht, aber zufrieden", meint er. "Ich will den Menschen mit den öffentlichen Bildern etwas geben." Dabei schaut er auf seine mit Farbe beschmierten Hände und lacht.

Sandro Marantini hat sich mit verschiedenen Maltechniken und Stilrichtungen beschäftigt und kennt sich gut aus. Immer wieder bleiben Menschen für einen kurzen Moment stehen und halten inne. Sandro steht dabei und genießt. Er nickt dankend den Menschen zu, wenn ein Geldstück klimpernd in die gemalte Schatulle fällt.


Bild: © Pandi / PIXELIO