Fastfood?

Nein, danke!





Von André Bernatek

Das schnelle Essen mit Gewissensbissen? Wohl kaum! Fast jeder Bundesbürger geht mindestens einmal im Monat in ein Fastfood-Restaurant. In Amerika sogar jeder vierte einmal pro Tag. Doch was sind die Gründe und was macht der Staat dagegen?

In 30 Tagen ausschließlicher McDonald's - Ernährung hat Morgan Spurlock 11 Kilo zugenommen, das Risiko einen Herzinfarkt zu bekommen hat sich verdoppelt, er fühlte sich erschöpft, hatte Stimmungsschwankungen, wurde nach dem Essen süchtig und bekam Kopfschmerzen, wenn er es nicht bekam, seine Leber wurde verfettet und verhärtet und in sein Sexualleben ging "den Bach runter", so Doktor Daryl Isaac, der diagnostizierende Arzt.
Ein solches Experiment mit einem Freiwilligen wie Herrn Spurlock mag zwar nicht unbedingt der Realität entsprechen, ist jedoch längst nicht so utopisch, wie es zunächst scheint. Allein in Deutschland sind rund 15 % fettleibig und 2 von 5 Personen übergewichtig. Im Vergleich zu Deutschland sind die Zahlen in den USA noch alarmierender.. Dort gelten 20 % als fettleibig und mehr als 3 von 5 als übergewichtig. Die Einstufung in die verschiedenen Gewichtsklassen erfolgt dabei über den Body Mass Index, kurz BMI. Dabei wird das Körpergewicht in Kilogramm durch die Körpergröße in Metern zum Quadrat geteilt. Die Maßstäbe um eine Einteilung vorzunehmen definiert die Weltgesundheitsorganisation WHO (World Health Organization) bei Erwachsenen wie folgt: Ein BMI unter 19 wird als Untergewicht angesehen, zwischen 19 und 24,9 gilt als Normalgewicht, zwischen 25 und 30 als Übergewicht und alles über 30 als adipös (fettleibig). Eine Studie in den USA hat ergeben, dass diese Messmethode keineswegs eindeutige Ergebnisse liefert. Anstatt der zunächst über den BMI angenommen 20 % ergaben stichprobenartige Messungen des Körpergewichts eine Fettleibigkeit von 30 %. Doch wie man diese Zahlen nun dreht und wendet, sprechen sie und die Folgen der Fettleibigkeit eindeutige Worte.

Die reinen volkswirtschaftlichen Kosten des Übergewichts werden auf 530 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Berücksichtigt man dann noch die Begleiterscheinungen, so sind es über fünf Milliarden allein in Deutschland. Das sind Kosten, die das Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit (GSF) ermittelt hat.

Dr. Jürgen John vom GSF-Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen beschreibt die Gefahr wie folgt: "Übergewicht ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für die Gesundheit. Vor allem deutliches Übergewicht ("Adipositas") erhöht die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Krankheiten wie Diabetes, Herzinfarkt sowie weiterer Herz-Kreislauf-Krankheiten." James Marks von der Robert Wood Johnson Foundation, eine Stiftung, welche sich als Mission die Verbesserung der Gesundheitssituation der Amerikaner sowie die Gesundheitsversorgung aller zum Ziel gesetzt hat, sprach von "einer vernichtenden Bilanz". Er beschreibt die derzeitige Situation als "Krise der öffentlichen Gesundheit, die immer noch rasend schnell schlimmer wird." Dennoch, so Marks verwundert weiter, "behandeln wir die Situation wie eine Unannehmlichkeit, nicht wie einen Notfall. In keinem einzigen Land ist die Fettleibigkeit zurückgegangen. Das ist kein Fortschritt." Rund 40 % der Bevölkerung müssen extrem übergewichtig sein, um den Höhepunkt der Fettsucht zu erreichen und eine Veränderung sichtbar zu machen, so Forscher der Harvard-University in Cambridge. Anders ausgedrückt bis zum Jahr 2050 wird die Zahl der fettleibigen Menschen steigen. 2,6 Millionen Menschen sterben jedes Jahr an Übergewicht. Etwas, das vermeidbar ist?

Dabei scheint die Ursache doch auf der Hand zu liegen. Gene Grabwoski, Lobbyist für GMA sagt: " Wir (die Fastfoodindustrie) wollen Verantwortung übernehmen, weil wir erkennen, dass wir Macht haben...wir sind Teil der Lösung und Teil des Problems." Die Fastfoodindustrie gibt zu, Teil des Problems zu sein! Auch sagen 97 % der Ernährungswissenschaftler, dass Fastfood maßgeblich zur Fettleibigkeit beitrage. Es scheint also ein großer Teil der Gründe für die Fettleibigkeit klar zu sein. Was für Maßnahmen unternimmt jedoch der Staat und inwiefern kann er überhaupt etwas tun?

Laut Prof. Manfred Müller, Leiter einer Studie des Verbraucherschutzes, haben Beratungen sowie die Informierung über die richtige Ernährung in der Vergangenheit zu nur einem geringen Erfolg geführt. Weiter beschreibt Müller in der F.A.Z., dass das Übergewicht mittlerweile als "Sinnbild der Konsumgesellschaft" gelte. Die Idee von der besseren Kennzeichnung der Lebensmittel-Inhaltsstoffe stößt deshalb auf große Kritik. Joachim Westenhöfer, Professor für Ernährungs- und Gesundheitspsychologie erklärte der F.A.Z. gegenüber energisch: "Das wird garantiert keine Wirkung zur Prävention von Übergewicht haben, das ist absolut illusorisch." Insgesamt zeichnet sich eine in der Regel gut informierte Gesellschaft ab, welche weiß, wie eine gute Ernährung aussehen sollte, was trotz alldem nicht zu einer Veränderung ihres Verhaltens beiträgt.

Marthilde Kersting, Leiterin eines Forschungsinstitutes für Ernährung, sieht die Hauptbarriere in einem ganz anderen Punkt, so erklärt sie der "Süddeutschen Zeitung" gegenüber, "es kommt auf die Verhältnisprävention an. Entscheidend ist, dass das Umfeld gesundheitsfreundlich ist." Dabei verweist sie auf die Erkenntnis in Schulen, wo Wasserspender aufgestellt wurden, welche nachweislich den Konsum von Limonade gesenkt haben.

Auch die Tatsache, dass viele Krankheiten auf das Übergewicht zurückgeführt werden, kümmert die Verbraucher offenbar nicht. Ein Grund dafür, so Kersting, liegt in der mit dem Abnehmen verbundenen Arbeit. Nur vier Prozent schaffen es, wenigstens so viel abzunehmen, dass sie wieder in die Kategorie "übergewichtig" fallen.

Als erster EU-Staat reagierte Lettland Ende 2006, die den Verkauf von Limonaden, Schokoriegeln, sowie weiterer Süßigkeiten in Schulen und Kindergärten untersagten. Als Ersatz wurden Trockenfrüchte, Vollkornprodukte sowie ungezuckerte Fruchtsäfte angeboten. Frau Markmann, Lehrerin an einer Schule in Lettland, stieß nach der Änderung auf positive Resonanz von Eltern. "Ich war völlig überrascht, als mich Eltern sprechen wollten um mir die positive Entwicklung ihrer Kinder in Sachen Ernährung mitzuteilen. Als ich dann die Zahlen nach dem ersten Jahr sah, war ich auch überrascht. Die Anzahl der übergewichtigen Kinder ist stark zurückgegangen." Angesichts der gewonnen Erkenntnisse sind die Pläne zur Senkung der Zahl der Übergewichtigen in Deutschland sehr fragwürdig. Verbraucherministerin Ilse Aigner will, dass Kinder lernen, was gesunde Ernährung ist und was die Ernährungsgewohnheiten bewirken. Unter anderem sieht sie weiterhin das Hauptproblem in der unvollständigen Kennzeichnung von Lebensmitteln, "mir geht es darum, dass der Verbraucher die Informationen kriegt, die er haben will." Präventionsprogramme wie zum Beispiel, die Kampagne " Kinder leicht - besser essen - mehr bewegen", welche eine Ernährungsaufklärung sowie mehr Bewegung bieten soll, wurde von ihrer Vorgängerin Renate Künast ins Leben gerufen und auch von Frau Aigner weiter betrieben.

Max B., ein Betroffener aus dem Main-Kinzig-Kreis, welcher die Grenze des Übergewichts schon bei weitem überschritten hat, schildert seine Situation als "aussichtslos". Mit dem Satz "ich kann nichts dafür, das sind meine Gene", rechtfertigt er seine derzeitige Situation. Auffällig ist, dass sich das Problem der Fettleibigkeit nicht nur in seiner Familie beobachten lässt, sondern sich auch durch einen Großteil seines Freundeskreises zieht. Aber anders als Max schiebt Sebastian E., einer seiner besten Freunde, den Grund für seine Krankheit nicht auf die Erbfaktoren, sondern auf seine familiäre Lage. Seine Eltern, so erklärt er, arbeiteten bis spät abends. "Da muss nach der Schule halt was Schnelles zu Essen her! Pizza oder eine Lasagne:" Weiter beschreibt er, sei er eher unsportlich und nie dazu motiviert worden. Versucht abzunehmen hat er schon oft." Ich hatte 3 Monate lang eine Diät aus dem Internet ausprobiert, welche jedoch sehr anstrengend war und nur mäßige Erfolge erzielt hat, deshalb habe ich es wieder gelassen und mich mit meinem Gewicht abgefunden."
Auch über die Folgen weiß Sebastian Bescheid und zeigt bereits erste Anzeichen wie Atembeschwerden und Herzrasen. Staatlich geförderte Projekte, die beim Abnehmen helfen sollen, waren nur von einem aus dem 30 Personen zählenden Freundeskreis bekannt, welcher die Maßnahmen jedoch als mühsam beschrieb. Insgesamt zeichnet sich eine gewisse Sturheit und Müdigkeit bei den Fettleibigen ab.

Trotz bekannter Risiken hat keiner die Kraft abzunehmen. Umso wichtiger ist es, die nächsten Generationen aufzuklären. Auch wenn der Staat noch so viele Projekte ins Leben ruft um den Pfunden den Krieg anzusagen, ist es doch jeder Einzelne, der etwas ändern muss, um eine große Veränderung zu erreichen.


Bild: © by Rex May, http://www.baloocartoons.com