Das Pendeln ins Rhein – Main - Gebiet ist eine halbe Weltreise

Viele Bahnreisende kritisieren die Bahnverbindungen in den Ballungsraum Frankfurt am Main





Von Florian Ziegler

"Die Zugverbindungen in Richtung Frankfurt sind doch optimal, ich verstehe nicht, warum sich immer noch so viele Bahnreisende tagtäglich beschweren", wundert sich ein Schaffner des RE 50, der täglich von Fulda nach Frankfurt fährt. Doch ist das wirklich so? Viele Fahrgäste sind da anderer Meinung. Ein Fahrgast erklärte mir, wenn seine Firma ihm keine Gleitzeiten ermöglichen würde und er nicht auf Verbindungen außerhalb der Stoßzeiten ausweichen könnte, wäre es für ihn fast unvorstellbar, jeden Tag einen solchen Stress auf sich zu nehmen und nach Hanau zu pendeln. Wenn man darauf angewiesen ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln einen Bahnhof auf der Strecke Fulda-Frankfurt zu erreichen, scheint es total auf sich allein gestellt zu sein. Bei den Recherchen musste man feststellen, dass man bei vielen Busfahrern den Eindruck gewinnen muss, sie würden sich nicht auskennen oder wöllten einfach keine Auskunft geben. Außerdem sind die Busse und auch die Regionalbahn von Gemünden nach Schlüchtern ständig überfüllt und haben mächtig Verspätung. Beispielsweise seinen Zug in Schlüchtern oder Bad Soden - Salmünster zu erreichen, ist reine Glückssache, vor allem in den Wintermonaten. Außerdem sind die Bahnsteige im Winter nur schlecht bis gar nicht geräumt. Die Pressestelle der Bahn erklärte, dass es schwierig wäre alle Bahnhöfe von Schnee und Eis zu befreien, da das komplette Personal schon Sonderschichten leiste und die Bahnhöfe mit hohem Reiseaufkommen bevorzugt würden.

Die Wartezeiten zwischen den Verbindungen sind so gering gehalten, dass eine glatte Straße oder ein liegengebliebenes Fahrzeug eine ganze Buslinie aus dem Takt bringen kann. Beispielsweise hat man in dem kleinen Ort Jossa im Sinntal (einer von zwei Orten, die überhaupt noch einen Bahnhof in Sinntal haben) nur drei Minuten Aufenthalt zwischen Ankunft des Linienbusses und Abfahrt des Anschlusszuges nach Schlüchtern. Ein anderer Pendler berichtete mir, dass er um kurz nach fünf sein Haus verlassen müsse, um pünktlich um acht Uhr in Hanau - Wolfgang zu sein. Das sind zweieinhalb Stunden einfache Fahrzeit für einen Pendler. Am Tag ist er somit knapp 5 Stunden auf dem Gleiskörper der Deutschen Bahn unterwegs um seinen Arbeitsplatz zu erreichen. Kann man so etwas einem Pendler wirklich zumuten?

Die Kreisverkehrsgesellschaft Main- Kinzig äußert sich zu diesem Thema, indem sie darauf hinweist, dass das ÖPNV - Angebot im Main – Kinzig - Kreis deutlich verbessert worden wären. Vor vier Jahren sei es noch wesentlich umständlicher gewesen nach Schlüchtern, Steinau oder Salmünster zu gelangen. Doch braucht man deshalb wirklich eine eigene Buslinie für Ortschaften wie Schwarzenfels oder Neuengronau? Müssen Busse, die von Schlüchtern bis Sterbfritz fahren, in Sterbfritz umstellen auf "Leerfahrt" und dann doch bis Altengronau durchfahren? Zu diesen Fragen will sich jedoch keiner äußern.

In den Stoßzeiten sind die Züge nach Frankfurt und Fulda oft so überfüllt, dass man selbst im Gang dicht gedrängt aneinander steht und kaum noch richtig Luft bekommt. Man hat stündlich die Möglichkeit einen Zug in diese Richtungen zu erwischen. Dies reicht zwar außerhalb des Berufsverkehrs völlig aus, aber in den Stoßzeiten scheint das schon lange nicht mehr der Fall zu sein. Wenn zwischen 6 und 9 und zwischen 16 und 19 Uhr alle halbe Stunde ein Zug fahren würde, würde es dem Reisenden erstens den Stress seinen Zug noch zu erreichen nehmen und zweitens für ein angenehmeres Reiseklima sorgen. Doch dies sind alles nur Wunschgedanken der Fahrgäste, die vermutlich nie erfüllt werden. Auf Anfrage bei der Bahn sagt man nur: "Die Strecken sind voll ausgelastet. Weitere Züge einzusetzen ist schwer möglich."

Auf ein weiteres Problem wies eine Jugendgruppe am Bahnhof Salmünster hin: "Hier bei uns kann man so gut wie nichts machen. Abends werden die Gehwege hochgeklappt und die Kneipentüren abgeschlossen. Wir wollen nach Frankfurt fahren, um noch etwas zu erleben. Doch mit dem Rückweg ist das immer so ein Problem. Zwischen ein und fünf Uhr fährt kein Zug zurück. Man ist also gezwungen so lange zu bleiben, bis am Morgen der erste Zug fährt. Das kann manchmal ganz schön ätzend sein." Um dieses Problem zu beheben, könnte man auch in der Nacht die Zugverbindungen aufrechterhalten oder durch kleinere Regionalbahnen ersetzen. Die Pressestelle der Deutschen Bahn äußert sich zu diesen Vorwürfen und Vorschlägen nicht. Sie ist nicht einmal bereit Auskunft über die Reiseverbindungen nach Frankfurt zu geben.

Es werden aber trotzdem ständig die Fahrpreise erhöht, Parkgebühren an Bahnhöfen erhoben, die im Winter nicht einmal geräumt werden. Man zahlt immer öfter rund zwei Euro für einen Parkplatz, den man im Winter erst einmal finden muss!

Trotz der hohen Kosten lässt der Service immer mehr zu wünschen übrig. In vielen Bahnhöfen findet man nicht mal mehr eine Sitzbank. Außerdem sind die Fenster mit Brettern verschlagen und der Putz bröckelt von den Wänden. Einige Bahnsteige sind uneben, weisen große Risse und sind viel zu niedrig. Man muss sich anstrengen um den Höhenunterschied zwischen Bahnsteig und Zugtür zu überwinden. Für körperlich behinderte Menschen ist es unmöglich eine solche Hürde zu bezwingen, so der Eindruck des Reisenden. Die Kommunen Sinntal und Schlüchtern versuchen nach eigenem Bekunden schon seit langem ein angenehmeres Reisen mit der Bahn zu ermöglichen. Jedoch scheint dies ein "Schwarzes Brett" bei der Deutschen Bahn zu sein. Kleine Veränderungen sind zwar sichtbar, so wurde der Bahnhof in Salmünster renoviert oder der Bahnsteig in Sterbfritz verbessert. Doch viele Bahnhöfe sind verkauft und somit hätte die Bahn nichts mehr mit der Instandhaltung zu tun, berichteten mir die Kommunen.

Wie sich die Reisemöglichkeiten mit der Deutschen Bahn noch entwickeln, ist fraglich. Wünschenswert ist jedoch, dass etwas mehr auf die Interessen der Kunden eingegangen und das Konzept von DB dringend einer Revolution unterzogen würden.


Bild: © Bernhard Pixler/ PIXELIO