Damit das Leben junger Menschen gelingt

Das Jugendhilfezentrum Don Bosco hilft Jugendlichen ein geregeltes Leben zu führen und unterstützt sie bei der Schul- und Berufsausbildung





Von Elena Hubert

Straßenkinder in Großstädten, Jugendliche, denen Rückhalt durch das Elternhaus fehlt oder das Leben von Familien unter der Armutsgrenze: All das deutet auf ständig wachsende Probleme in unserer heutigen Gesellschaft hin. Suchtprobleme und Kriminalität von Kindern und Jugendlichen zeigen dabei steigende Tendenzen.

Auch in unserer Region gibt es Einrichtungen, die versuchen solchen jungen Menschen Halt, Unterstützung und eine Zukunftsperspektive zu bieten. Dazu gehört das Jugendhilfezentrum "Don Bosco" in Sinntal - Sannerz.

Das Zentrum ist eine Einrichtung der Ordensgemeinschaft "Salesianer Don Bosco" der Römisch-Katholischen Kirche, die 1859 gegründet wurde. Der Name geht zurück auf den Priester Johannes Bosco. Die Arbeit der weltweit über 16.000 Diakone, Priester und Brüder liegt in der Jugendseelsorge, Ausbildung und Erziehung. Sie selbst bezeichnen sich als "Botschafter der Liebe Gottes" und wollen ein Zeichen dafür setzen. In Deutschland arbeiten heute ca. 350 Salesianer Don Boscos zusammen mit über 1.600 Mitarbeitern in 35 Einrichtungen. Jede Einrichtung stellt sich unterschiedlichen spezifischen Themen und Aufgaben.

"Bei uns lag der Schwerpunkt vorrangig bei landwirtschaftlichen Arbeiten. Mit der Zeit kamen aber neue Werkstätte hinzu. Heute können wir in unseren Ausbildungsstätten die Bereiche Holz, Metall, Farbe und Küche anbieten", so Daniel M., Leiter der beruflichen Bildung der Don Bosco- Einrichtung in Sinntal - Sannerz. Weiter fügt er hinzu: "Neben Regelschülern bilden wir auch Jugendliche aus, die die Schule für Lernbehinderte besucht haben. Auch unterstützen wir die Jugendlichen bei Qualifizierungen und bei der Berufsorientierung." Darüber hinaus können erziehungsschwierige Schüler in Sannerz in der staatlich anerkannten Ersatzschule für Erziehungshilfe "Johann – August – Waldner – Schule" auf ihren Hauptschulabschluss vorbereitet werden. "Nicht selten weigern sich Jugendliche überhaupt zur Schule zu gehen. Wir versuchen mit ihnen die Ausbildungsfähigkeit und -willigkeit zu trainieren, was selbstverständlich keine leichte Aufgabe ist. Wir konnten sie aber bisher immer lösen", so Erziehungsleiterin Edith J.

Neben Jugendlichen, die täglich in der Einrichtung "Don Bosco" in Sannerz erscheinen, um ihre Ausbildungsstätte oder Schule zu besuchen, werden auch Jugendliche ab 14 Jahren vor Ort in Wohngruppen untergebracht. "Viele, die hier wohnen, haben zu Hause kein kindgerechtes Leben erfahren. Bei uns haben sie einen strukturierten Tagesablauf, was sehr wichtig ist, um später ein geregeltes Leben alleine zu führen. Für manche wäre der tägliche Anfahrtsweg aber auch einfach zu weit, so bieten wir ihnen hier Wohnmöglichkeiten", so Edith J.

Jacob F., der, wie er berichtet, selbst einer der jungen Menschen war, die in der Schule keinen Sinn sehen und Arbeit für unwichtig halten, erzählt: "Ich glaube, ich war ein ziemlich schwieriger Fall. Bis meine Betreuer mich erstmal soweit hatten um mich überhaupt auf sie einzulassen, ging viel Zeit rum. Meine Eltern waren keine Vorbilder für mich, das habe ich aber erst eingesehen, als ich bereits ein Jahr hier gewohnt habe. Ich bin froh sie am Wochenende besuchen zu können, aber gleichzeitig auch glücklich darüber hier sein zu dürfen."

Jacob holt derzeit seinen Hauptschulabschluss nach. Eventuell soll der Realabschluss folgen, vielleicht will er sich aber auch schon in einem Beruf orientieren. Seine Mutter räumt ein, dass sie mit ihren drei Kindern stetig überfordert gewesen sei. Trotz der Arbeitslosigkeit brachte sie keine Zeit auf sich mit ihren Kindern zu beschäftigen. Die alleinerziehende Mutter schien mit ihrem Leben selbst nicht zurechtgekommen zu sein. Behörden wurden auf sie aufmerksam und so kam es dazu, dass ihr ältester Sohn, anfangs gegen ihren Willen, in Sinntal - Sannerz ein neues Zuhause fand. "Ich bin froh, dass ich meinen Sohn letztendlich hier abgeben musste. So hart es auch klingt, aber das war das Beste, was ihm passieren konnte", so Jacobs Mutter.

Der Bedarf an Unterstützung durch die Jugendhilfe nimmt immer weiter zu. Deshalb wurde vor einiger Zeit eine neue Abteilung eröffnet und eine weitere ist in Planung. Das in Freiensteinau ansässige "Hofgut Moglia" bietet nun eine neue Wohngruppe. "Dort soll Jugendlichen geholfen werden, die aus der Realität fliehen, über wenig Selbstwert verfügen und deshalb verhaltensauffällig oder sogar pathologisch reagieren", berichtet Hubert D., der als Verwaltungsleiter tätig ist. Mit dem "Hofgut Moglia" sollen vor allem computer-, internet- und mediensüchtige Jugendliche und andere, die "stoffungebundene Suchtstrukturen" aufweisen, angesprochen werden. Sabine P., handwerklich ausgebildete Pädagogin erzählt: "Wir müssen sehr eng mit den Jugendlichen, die solche Suchstrukturen aufweisen, zusammenarbeiten. Deshalb bieten wir derzeit 9 Wohnplätze. Wir beschäftigen uns mit den Jugendlichen hier im landwirtschaftlichen Betrieb. Mit Erlebnispädagogik und häuslichem Unterricht stellen wir den Rahmen für eine real erfahrbare Welt wieder her." Während dessen plant man in Sannerz eine zweite neue Abteilung zu errichten. Ein neues Haus für kriminell stark gefährdete Kinder und Jugendliche ab 11 Jahren wird gebaut, bei der Intensivbetreuung großgeschrieben wird. Jedem Kind beziehungsweise Jugendlichen soll ein gezielt ausgebildeter Betreuer zur Seite stehen. "Jedes Kind, das in diese Einrichtung kommt, hat nicht mehr als ein Bett in seinem Zimmer stehen. Alle anderen Sachen, die jeder gerne in seinem Zimmer hätte, muss man sich erst mit richtigem Verhalten und Mitarbeit verdienen", so Stephan S., ausgebildeter Pädagoge, über das Konzept der neuen Hilfestelle.

"Dies wird nicht die letzte Neuerung in unserem Haus sein. Im Bereich der Jugendhilfe wird es in Zukunft wohl immer mehr zu tun geben. Wir müssen lernen uns auf die veränderten Familienstrukturen einzustellen und gefährdeten Familien schon viel frühzeitiger Unterstützung bieten", gibt Einrichtungsleiter Daniel M. einen Ausblick in die Zukunft.


Bilder © Richard Guth