Ausgefallene Züge, beschädigte Züge

Früher Wintereinbruch sorgt für allerlei Schwierigkeiten – auch in Schlüchtern





Von Hans Hoffmann

Kaum war der erste Schnee gefallen, ging auf vielen Autobahnen und weiteren Straßen nichts mehr, so fing es schon Ende November am Autobahnkreuz Bonn/Siegburg in Richtung Frankfurt an: Auf schneeglatter Fahrbahn waren mehrere Lkw liegen geblieben und verstopften die Fahrbahn. Ähnliche Szenarios, mit teilweise noch schlimmeren Folgen, spielten sich rund um Weihnachten, im Weihnachts- und Ferienverkehr ab. Zahlreiche Unfälle und kilometerlange Staus fand man auf vielen Autobahnen und Fernverkehrsstraßen vor. Besonders betroffen waren um die Feiertage die Autobahnen in Nordrhein - Westfalen, Bayern und in und um Dresden. Nicht selten enden solche Vorfälle mit der völligen Sperrung der Autobahn und Überstunden für Mitarbeiter der Straßenmeistereien, Polizei und Rettungskräfte. Durch die Sperrungen kann es zu enormen wirtschaftlichen Einbußen kommen. Diese werden durch Lkw- und Schwerlastfahrverbote noch verstärkt.

Doch die Sicherheit geht vor. Nicht nur Straßen, auch das Schienennetz der Deutschen Bahn und der Luftverkehr sind von Minustemperaturen und Schneestürmen geplagt. So waren kurz vor Weihnachten zahlreiche Schienen nicht mehr befahrbar und sogar der Strom fiel streckenweise aus. Nachdem in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag in Norddeutschland noch einmal 30 Zentimeter Neuschnee, wie die Wochenzeitschrift "Die Zeit" berichtete, fielen, mussten viele Bundesstraßen gesperrt werden und auch die Deutsche Bahn hatte nach Worten eines Sprechers wieder mit den Witterungsbedingungen zu kämpfen. Spezielle "Schneefräsen" wurden vielerorts eingesetzt, um die Schienen wieder freizubekommen.

Nach den Weihnachtsfeiertagen entspannte sich die Lage wieder, jedoch ließ das zur Neige gegangene Streusalz nun neue Sorgen aufkommen. Es kam zu Beeinträchtigungen bei der Bahn, besonders im Norden Bayerns, durch vereiste Bremsen, Mangel an Streusalzen und Enteisungsmitteln. Es mussten sogar schon einige Züge gestrichen und Bahnhöfe gesperrt werden.

Einem ähnlichen Problem sahen sich die Fluggesellschaften ausgesetzt: Neben verschneiten Landebahnen und diversen Kältestopps drohte nun das Enteisungsmittel für Flugzeuge auszugehen, nachdem der schweizerische Fabrikant Clariant ein Produktionsstopp für Enteisungsmittel für den Zeitraum vom 1. bis zum 4. Januar bekanntgeben musste. Einige Flugzeuge, besonders in Berlin, mussten demnach schon am Boden bleiben, was den Fluggesellschaften wiederum enorme wirtschaftliche Einbußen beschert hat.

Auch das Ausland blieb vom Winterchaos nicht verschont: In Österreich musste unter anderem die Autobahn nach Salzburg gesperrt werden, nachdem ein Unfall bei Bad Reichenhall dazu führte, dass der Grenzübergang bei Walserberg gesperrt werden musste. Flughäfen in London und Paris hatten auch mit schneebedeckten Landebahnen zu kämpfen. Darüber hinaus wird der Engpass an Enteisungsmittel auch dort für weitere Probleme sorgen.

Eine entscheidende Rolle spielt auch die Frage, wie die Reparatur der Schäden, die der Winter hinterlassen wird, finanziert werden soll. Zum Beispiel hat der anhaltende Frost der vergangenen Wochen Experten zufolge massive Schäden an Deutschlands Straßen angerichtet. Meistens in Form von Ausbrüchen, so genannten "Schlaglöchern".

So gibt der TÜV Rheinland auf seiner Homepage bekannt, dass zwischen 30 und 40 Prozent aller Straßen bundesweit derzeit stark geschädigt seien. Eintretendes Wasser sei der Feind aller Straßen und Wege, so Dieter Straußberger, Geschäftsfeldleiter Bautechnik bei TÜV Rheinland LGA, in seinem online veröffentlichtem Bericht zur Straßenlage Deutschlands nach dem Winter. Eben dieses eintretende Wasser könnte die Straßen noch mehr beschädigen beziehungsweise völlig zerstören, weshalb Reparaturen dringend nötig wären. Auch der ADAC warnt vor einem großen Gefahrenpotential in den nächsten Jahren durch maroden Straßenbelag.

Die Kommunen befürchten einen hohen Investitionsbedarf, so auch der Magistrat der Stadt Schlüchtern. "Es ist hier genau wie in jeder anderen Stadt zurzeit, man versucht die finanziellen Mittel nur für die nötigsten Reparaturen einzuplanen und Kosten so gut es geht zu vermeiden", so Andreas F., freiwilliger Berater beim Magistrat der Stadt Schlüchtern.

Werner S., ein Angestellter des städtischen Bauhofs meint dazu: "Unsere Räumdienste haben ganz gute Arbeit geleistet, aber wer die Straßen dann saniert, steht noch in den Sternen." Ob die Räumdienste im Bergwinkel gute Arbeit geleistet haben, ist sicherlich strittig, jedoch meint Landwirt Ludwig K.: "Die Zusammenarbeit mit den Schneeschiebern hat echt gut geklappt, trotz des vielen Schnees sind wir ins unserem Dorf eigentlich immer irgendwie durchgekommen!"

Wenn es nach diesem Winter noch mehr Schlaglöcher in Schlüchtern geben wird, werden manche Straßen auf jeden Fall saniert werden müssen, so zum Beispiel die Siedlungsstraße Am Hopfenacker, welche von Schlaglöchern und Unebenheiten übersät ist. Agnes B., Sachbearbeiterin beim städtischen Bauhof, meint dazu: "Ich finde, wir und unsere Mitarbeiter sind so gut aufgestellt wie noch nie, wenn es erhebliche Schäden gibt, dann werden wir sie umgehend beheben."

Bleibt zu hoffen, dass diesem Optimismus Taten folgen und dass vielerorts die Probleme, die uns der Winter verursacht hat, mit Kreativität und ohne finanzielle Scheu behoben werden, damit es auch bald wieder "Bahn frei für den nächsten Winter" heißen kann.


Bild: © Rainer Sturm/ PIXELIO